Milchfieber: Calcium- und Phosphorversorgung im Fokus
Milchfieber ist eine häufig auftretende Stoffwechselstörung rund um die Kalbung. Entscheidend ist dabei eine bedarfsgerechte Versorgung der Kuh mit Calcium und Phosphor, um sie optimal auf den Start in Laktation vorzubereiten und gesundheitlichen Risiken vorzubeugen.
Die Kalbung – der entscheidende Zeitpunkt für Stoffwechsel und Gesundheit
Die Kalbung stellt den Übergang zwischen Trockenstehphase und dem Start in die neue Laktation dar. Damit ist die Kalbung eine der anspruchsvollsten Phasen für die Tiere. In wenigen Stunden verändert sich der Stoffwechsel durch das Einsetzen der Milchbildung. Dabei steigt der Energiebedarf stark an und der Organismus der Kuh muss enorme Mengen an Mineralstoffen, wie Calcium bereitstellen.
Mit der ersten Abgabe von Kolostrum an das Kalb gibt die Kuh ebenfalls große Mengen an Calcium ab. Während der Trockenstehphase ist der Calciumbedarf konstant bei ca. 38 g. Unmittelbar nach der Kalbung vervielfacht er sich. Tatsächlich steigt der Bedarf an Calcium schon in direkt vor der Kalbung an, da bereits mit der Kolostrumbildung begonnen wird. Jedoch wird in der sogenannten Close-Up Phase der Calciumgehalt im Futter bewusst niedrig gehalten, um die körpereigene Mobilisation anzuregen. Der Körper muss innerhalb kürzester Zeit Calcium aus dem Darm aufnehmen und aus den Knochen mobilisieren, um Verluste über die Nieren möglichst gering zu halten. Gelingt diese Anpassung nicht schnell genug, so sinkt der Calciumgehalt im Blut. Die Folge davon wird als Milchfieber oder Hypokalzämie bezeichnet. Bei einer klassischen Milchfiebererkrankung kann man das Festliegen einer Kuh beobachten, während bei der subklinischen Form keine Symptome erkennbar sind, aber spätere Auswirkungen auf Tiergesundheit, Fruchtbarkeit und Milchleistung möglich sind. Die gezielte Versorgung der Milchkühe mit Calcium rund um die Kalbung ist daher ein wichtiger Baustein eines erfolgreichen Herdenmanagements.
Bedeutung von Calcium für die Milchkuh
Calcium wird häufig ausschließlich mit Knochen und Skelett in Verbindung gebracht, dabei übernimmt es bei Milchkühen viele wichtige Funktionen. Nahezu jede Muskel- und Nervenzelle ist auf eine ausreichende Versorgung mit Calcium angewiesen.
Calcium ist beispielsweise unverzichtbar für:
- die Kontraktion der Skelettmuskulatur
- die Funktion des Herzmuskels
- die Weiterleitung von Nervenimpulsen
- die Aktivität der Pansenmuskulatur
- die Blutgerinnung
- die Immunabwehr
- zahlreiche Enzym- und Stoffwechselprozesse
Warum steigt der Calciumbedarf nach der Kalbung so stark an?
Die Stoffwechselsituation der Kuh ist vor der Kalbung relativ stabil. Trotz der Entwicklung des Kalbes steigt der Mineralstoffbedarf nur langsam an. Mit Einsetzen der Milchproduktion verändert sich der Bedarf stark. Das erste Kolostrum enthält bereits große Mengen an Calcium. Besonders bei Hochleistungskühen, die innerhalb der ersten Stunden nach der Geburt schon große Mengen an Kolostrum produzieren, sinkt der Anteil des im Blut verfügbaren Calciums stark ab.
Der Organismus reagiert darauf, indem Calcium aus den Knochen mobilisiert wird, die Calciumaufnahme im Darm erhöht wird und die Nieren die Calciumausscheidung erhöhen. Der Körper der Kuh versucht somit durch diese Mechanismen einem entstehenden Calciummangel entgegenzuwirken. Die Prozesse funktionieren jedoch nicht sofort.
Die Regulierung des Calciumstoffwechsels erfolgt über ein gut abgestimmtes Hormonsystem. Wenn der Calciumspiegel sinkt, wird Parathormon ausgeschüttet. Dieses stimuliert die Bildung von Vitamin D3, welches die Bildung spezieller Calciumtransporter im Darm anregt. Erst wenn diese Transportproteine ausreichend vorhanden sind, kann die Kuh Calcium effizient übers Futter aufnehmen. Zwischen dem Absinken des Calciumspiegels und der maximalen Aktivierung der Mechanismen vergehen 24 bis 48 Stunden. Somit ist die Phase in den ersten Stunden nach der Kalbung besonders kritisch. Während der Calciumbedarf sofort ansteigt, erfolgt die Anpassung über den Organismus zeitverzögert.
Milchfieber bei der Kuh
Milchfieber bezeichnet eine Stoffwechselstörung, die durch einen zu geringen Calciumgehalt im Blut entsteht. Milchfieber hat somit nichts mit dem eigentlichen „Fieber“ zu tun. Es handelt sich hierbei nicht um eine steigende Körpertemperatur. Milchfieber ist häufig auf eine Hypokalzämie zurückzuführen. Je stärker der Calciumspiegel der Kuh absinkt, umso stärker sind die klinische Symptome. Milchfieber tritt üblicherweise in den ersten 24 bis 72 Stunden nach der Kalbung auf. Besonders anfällig sind ältere und leistungsstarke Tiere.
Was ist Milchfieber?
Milchfieber bedeutet, dass die Calciumkonzentration im Blut unter den Normalbereich absinkt. Hierbei sorgen geringe Veränderungen bereits dafür, dass Körperfunktionen eingeschränkt sind. Calcium dient nicht nur für die Knochenstabilität, sondern ist auch ein Signalstoff für Muskeln, Nerven und zahlreiche Stoffwechselprozesse. Je stärker der Blutcalciumspiegel sinkt, umso deutlicher treten Funktionsstörungen auf. Es wird zwischen dem klinischen und dem subklinischen Milchfieber unterschieden.
Klinisches Milchfieber – die erkennbare Form
Bei dem klinischen Milchfieber sind die Symptome eindeutige erkennbar. Anfangs wirken die Tiere unruhig und werden zunehmend schwächer. Zusätzlich fühlen sich die Ohren kalt an und die Futteraufnahme nimmt deutlich ab. Dann liegen die Kühe fest und können ohne Behandlung nicht mehr aufstehen.
Typische Symptome einer Milchfiebererkrankung sind:
- kalte Ohren und Gliedmaßen
- verminderte Futteraufnahme
- fehlende Wiederkauaktivität
- schwache oder fehlende Pansenmotorik
- Muskelzittern
- Festliegen
Subklinisches Milchfieber – ein unterschätztes Risiko
Bei dem subklinischen Milchfieber sind keine oder nur unspezifische Symptome erkennbar. Der Calciumspiegel liegt bei dieser Erkrankung bereits unter dem physiologischen Bereich. Das Tier wirkt oftmals gesund, obwohl zahlreiche Stoffwechselprozesse bereits eingeschränkt ablaufen. Daher wird diese Form in vielen Fällen nicht erkannt. Die unmittelbaren Folgen des subklinischen Milchfiebers sind häufig eine verringerte Futteraufnahme, schwächere Pansenmotorik und ein verzögerter Abgang der Nachgeburt. Zudem steigt das Risiko für Folgeerkrankungen wie Ketose, Labmagenverlagerungen, Metritis, Mastitis, Fruchtbarkeitsstörungen und reduzierte Milchleistung. Durch Milchfieber entstehen somit ebenfalls wirtschaftliche Einbußen.
Besonders anfällige Tiere
Milchfieber entsteht nicht automatisch bei jedem Tier nachdem es gekalbt hat. Es gibt allerdings Tiere, die anfällig dafür sind. Dazu zählen:
- Kühe ab der dritten Laktation
- Hochleistungskühe
- Tiere mit hoher Kolostrummenge
- Überkonditionierte Tiere
- Kühe mit einer geringen Futteraufnahme vor der Kalbung.
Bedeutung von Phosphor
Wird von Milchfieber bei der Kuh gesprochen, denkt man zunächst an Calcium. Neben dem Calcium ist Phosphor aber auch ein wichtiger Mineralstoff. Phosphor erfüllt zentrale Aufgaben im Organismus. Es unterstützt den Energiestoffwechsel, die Muskelarbeit, den Zellstoffwechsel und die Regeneration nach der Kalbung. Der Phosphorbedarf steigt mit Beginn der neuen Laktation ebenfalls an. Daher kann es besonders bei Kühen mit erhöhtem Risiko sinnvoll sein, diese mit einer Kombination aus Calcium und Phosphor zu versorgen, um sie in dieser Phase gezielt zu unterstützen.
Wie kann ich einer Milchfiebererkrankung vorbeugen?
Um einer Milchfiebererkrankung vorzubeugen, sollten bereits in der Trockenstehphase einige Maßnahmen ergriffen werden. Zu einem erfolgreichen Konzept gehören eine bedarfsgerechte Trockensteherfütterung, eine kontrollierte Calciumversorgung und eine ausreichende Magnesiumversorgung, um den Calciumstoffwechsel optimal auf die Kalbung vorzubereiten. Es ist das Ziel, den Organismus vor der Kalbung vorzubereiten, sodass die natürlichen Regulationsmechanismen möglichst schnell zu arbeiten beginnen.
Calciumergänzung rund um die Kalbung
Hormonelle Anpassungen benötigen etwas Zeit. In vielen Betrieben wird daher auf eine Ergänzung mit Calcium unmittelbar vor und nach der Kalbung gesetzt. Diese Calciumergänzung erfolgt häufig über die Eingabe von Calcium-Boli. Diese unterstützen die Tiere dabei, den stark ansteigenden Bedarf an Calcium in dieser kritischen Phase zu decken. Hierbei sind neben der Calciummenge aber auch die verschiedenen Calciumquellen entscheidend. Durch unterschiedliche Calciumquellen können unterschiedliche Freisetzungsraten erzielt werden. Dies sorgt dafür, dass schnell verfügbare Calciumquellen den akuten Bedarf decken und langsamer verfügbare Calciumquellen die längere und somit konstante Versorgung unterstützen. Die Produkte SALVABOL Calcium und SALVABOL Calcium-Phosphor wurden speziell für die Versorgung der Tiere rund um die Kalbung entwickelt. Die Produkte sorgen für eine kontinuierliche Calciumfreisetzung durch den Einsatz verschiedener Calciumquellen mit unterschiedlichen Freisetzungsraten. Außerdem enthalten sie aktiviertes Vitamin D3, welches den Calciumstoffwechsel zusätzlich unterstützt.
Persönliche Beratung
Jeder Betrieb ist individuell, daher führen unsere Fachberater im Außendienst eine betriebsspezifische Beratung durch und erarbeiten - gemeinsam mit Ihnen - ein auf Ihren Betrieb abgestimmtes Fütterungskonzept.